fachartikel

Empowered Cities

Das Zeitalter der Städte

Donnerstag, 20.08.2099
Beschreibung:

Die Globalisierung bringt Städte näher zusammen: Sie können sich weltweit effizienter vernetzen und über digitale Kanäle über Landesgrenzen hinweg austauschen. Diese intensivere Vernetzung ermöglicht eine neue Macht der Städte. Sie handeln lokal – allerdings mit globalen Auswirkungen. Entscheidungen werden vor Ort im Kleinen getroffen, verändern jedoch die Welt im Ganzen.

Der Megatrend der Globalisierung und damit verbundene wirtschaftliche und politische Phänomene nehmen zunehmend Einfluss auf die Gestaltungsmöglichkeiten der Nationalstaaten. Indem Vertretungen größerer Wirtschaftsräume, wie die EU oder das Freihandelsabkommen NAFTA, nationalstaatliche Souveränität binden und die Kompetenzen besetzen, die vormals Staaten vorbehalten waren, werden die Handlungsspielräume einzelner demokratischer Nationalregierungen neu geordnet. Gleichzeitig erwächst durch den starken Gegentrend der Glokalisierung ein intensives Bewusstsein für kleinere, scheinbar kontrollier- und überschaubare Entitäten wie Regionen, Städte und soziale bzw. kulturelle Communities. Diese Entwicklung eröffnet neue Potenziale für die glokale Politik. Die Vernetzung lokaler Strukturen untereinander schafft dabei neue Möglichkeiten zur Einflussnahme auf globale Entscheidungen. Diese werden nicht mehr nur noch zentral entschieden, sondern vor Ort – aber informiert durch den globalen Austausch. Das neue Global wird also im Lokalen gemacht. Städte spielen dabei zukünftig eine wesentliche Rolle: durch ihre weltweite Vernetzung auf neuen Plattformen, ihre signifikante Rolle als wirtschaftliche und finanzielle Umschlagsplätze und ihre Anziehungskraft für Talente und Innovationen.

„Das 19. Jahrhundert war das Zeitalter der Weltreiche, das 20. Jahrhundert das Zeitalter der Nationalstaaten, und das 21. Jahrhundert wird das Zeitalter der Städte sein.“
Wellington Webb, früherer Bürgermeister der Stadt Denver

Zwischen weltumspannenden Märkten und supranationaler Integration
Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts ist durch eine immer weiter fortschreitende Globalisierung geprägt. Multinationale Unternehmen nutzen dabei globale Handelsabkommen und steigern durch die weltweite Erschließung von Märkten ihre Vermögenswerte. Staaten- und Militärbündnisse wiederum suchen nach Verständigung in globalen Fragen wie Sicherheit, Finanzsysteme und Umweltschutz. Obwohl die Globalisierung auch mit einem intensiven Kulturaustausch, weltweiten diplomatischen Friedensbemühungen, digitaler Vernetzung und ökonomischen Möglichkeiten verbunden ist, steht die unaufhaltsame Kraft internationaler Verflechtungen aktuell für viele Menschen in erster Linie für negative, unkontrollierbare Kräfte: kapitalistische Dominanz, Umweltverschmutzung, regionale Ausbeutung und den Verlust lokaler Identitäten. Zwar suchen anerkannte Institutionen wie die Vereinten Nationen, die Weltbank, die Welthandelsorganisation und der Internationale Währungsfonds nach gemeinsamen Lösungsansätzen und einer gemeinsamen Gerichtsbarkeit, die negative Wahrnehmung der Globalisierung in der westlichen Welt sorgt allerdings für zunehmende Regionalisierungstendenzen in der Politik und im Verhalten der Menschen.

Glokalisierung: Die Regionalisierung des Globalen
Angesichts der allgegenwärtigen Präsenz globaler Konzerne und ihrer Produkte findet insbesondere in den Städten westlicher Industrienationen eine Rückbesinnung auf lokale Strukturen statt. Dies äußert sich unter anderem in einer neuen Wertschätzung regionaler Hersteller, aber auch in einem aktiven Bewusstsein für die gebaute Umwelt. Das zunehmende Interesse an Bürgerinitiativen und zivilgesellschaftlicher Partizipation ist letztendlich auch eine Folgeerscheinung eines befürchteten Einflussverlustes angesichts supranationaler Entscheidungsebenen. Die neuen Städter wollen mitbestimmen.

Als negative Folge dieser Globalisierungsängste gelten populistische Tendenzen sowie eine Politik der Abgrenzung und des Protektionismus – zumeist auf Basis eines überhöhten Heimatbegriffes. Diese beiden Ausprägungen scheinen sich aktuell gesellschaftspolitisch in einer Stadt-Land-Dichotomie zu manifestieren. Allerdings findet bereits eine wechselseitige Durchdringung statt, sodass sich ein differenzierterer Blick auf die Klischees von der offenen, innovativen Stadt und dem abgehängten Land lohnt (siehe Kapitel „Rural Cities – Progressive Provinz“, S. XX). Der Wandel, den Globalisierungsskeptiker und Populisten krampfhaft verhindern wollen, findet aber bereits statt und lässt sich nicht aufhalten. Er lässt sich „nur“ mitgestalten. Letztendlich werden diejenigen, die auf nationale Verklärung setzen, an Macht und Einfluss verlieren. Und diejenigen, die sich engagieren und auf Vernetzung und Verständigung bauen, werden neue Lebensräume und -konzepte entwickeln und somit über die Zukunft von Stadt und Land entscheiden.

Tatsächlich bekommen aber Stadt- und Landbevölkerung aktuell sehr unterschiedliche Folgen desselben Phänomens zu spüren. Faktisch gesehen sind in urbanen Kontexten allerdings deutlich mehr Menschen betroffen, deren Lebenswelt auch einen größeren Einfluss auf die Wirtschaftskraft der Nationalstaaten hat. Die Bürgermeister dieser Städte sehen sich direkt mit den sozialen, kulturellen, wirtschaftlichen und ökologischen Problemen der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts konfrontiert und müssen diese im Maßstab von Millionenstädten unmittelbar lösen. An dieser Stelle ergreifen Städte nun im Machtvakuum des Kampfes um Einfluss auf nationaler und supranationaler Ebene die Chance und fordern ihren Platz an den Verhandlungstischen ein.

Die Metropolen der Welt suchen bei der Lösung globaler urbaner Probleme inzwischen einen intensiveren Austausch untereinander – einige fordern sogar vehement deutlich mehr Autonomie gegenüber nationalen Institutionen. Dies resultiert in neuen ordnungspolitischen Ansprüchen; doch wie viel Potenzial haben diese neuen Städtebündnisse und wie werden administrative Gefüge die Organisation der Städte verändern?

1. Stadt statt Staat: Fearless Cities und visionäre Pragmatiker

Zahlenmäßig können großräumige Metropolregionen bereits in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht mit einer Vielzahl von Nationalstaaten konkurrieren. Mexiko-Stadt zum Beispiel hat circa 100.000 Polizisten angestellt – eine größere Streitmacht als die nationalen Strafverfolgungsbehörden von 115 Ländern. New Yorks jährlicher städtischer Etat liegt bei 82 Milliarden Dollar, was mehr ist als das Budget von 160 Ländern (Muggah 2016). Inzwischen sind die Bevölkerungszahlen von Megastädten wie Seoul und Tokio höher als die einiger Nationalstaaten. Viele dieser Metropolen stehen vor ähnlichen Herausforderungen und knüpfen nun länderübergreifende Bündnisse, teilweise integrieren sie sogar ihre Transport-, Telekommunikations- und Energieinfrastruktur und schmieden dadurch untereinander Allianzen – losgelöst von Landesgrenzen.
Hinzu kommt, dass sich Menschen mehr mit ihrer Stadt oder ihrer Community identifizieren als mit ihrer nationalen Herkunft. Die Bürger haben ihre Städte oft bewusst zu Wahlheimaten gemacht und drücken neue Formen der Zugehörigkeit aus, die den digitalen und physischen Bereich überspannen und traditionelle Vorstellungen von nationaler Zugehörigkeit in Frage stellen.

Wandel kommunaler Machtstrukturen
In einem politischen System, das von Einzelinteressen und Populismus dominiert wird, ist es immer schwieriger für Nationalstaaten, pragmatische Politik zu machen und radikale Reformen durchzusetzen. Die aktuelle politische Landschaft wird geprägt von populistischen Führern, die die diplomatischen Bemühungen seit dem Zweiten Weltkrieg angreifen, indem sie Handelsabkommen aufkündigen, neue Konflikte schüren und Mauern errichten. Was geschieht, wenn Staaten sich nicht mehr auf ein gemeinsames Handeln in der Migrationspolitik und in Wirtschafts- und Währungsfragen einigen können? Aktuell vertreten diverse Politologen die These, dass die führenden Köpfe einer zunehmend urbanisierten und globalisierten Welt schon bald nicht mehr in den nationalen Parlamenten zu finden seien, sondern in den Rathäusern der Metropolen.

Pawel Adamowicz beispielsweise, der Bürgermeister von Danzig, macht in seiner Stadt eine pro-europäische Politik, die wenig mit der Agenda der nationalkonservativen polnischen Regierung gemein hat. Da er für mehr Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Solidarität eintreten möchte, realisiert er auf lokaler Ebene und im Kleinen Integrationspolitik für Flüchtlinge. Doch er ist kein Einzelfall: Immer mehr Bürgermeister beginnen heute damit, Aufgaben zu übernehmen, die traditionell eher auf nationalpolitischer Ebene diskutiert werden. Von großer Bedeutung ist, dass sie dafür von den Bürgern der Städte, aber auch von der internationalen Presse und inzwischen zudem von ihren Staatsoberhäuptern die nötige Aufmerksamkeit bekommen. Das Amt des Oberbürgermeisters entwickelt sich aktuell international weiter: Die neuen Würdenträger sind charismatische und weit über ihre Stadtgrenzen hinaus bekannte Figuren, die auf der internationalen Bühne Außenpolitik betreiben und dort Allianzen schmieden, um grenzübergreifend und direkt kooperieren zu können.
In Barcelona trafen sich 2017 Bürgermeister und Stadträte aus Spanien, Griechenland, Chile, Indien, Brasilien und den USA, um „in Zeiten von Hass und autoritärer Regime für Menschenrechte, Demokratie und Gemeinwohl einzutreten“ (zit. n. Lobenstein/Buchter/Heuser 2017). Das Bündnis nennt sich „Fearless Cities“ (fearlesscities.com). Sie beschreiben ihre Ziele folgendermaßen: „Weltweit stehen Städte und Gemeinden auf, um Menschenrechte, Demokratie und das Gemeinwohl zu verteidigen. Der Gipfel der ,Furchtlosen Städte‘ wird es den kommunalen Bewegungen ermöglichen, globale Netzwerke der Solidarität und der Hoffnung im Angesicht von Hass, Mauern und Grenzen aufzubauen.“ Dabei geht es nicht nur um diplomatischen Austausch oder Stadtmarketing, sondern um die Entwicklung konkreter Strategien, die direkt in die städtischen Kontexte implementiert werden können und sich nationaler Einflussnahme entziehen.

Sowohl die nationalen Staatsvertreter als auch die grenzüberschreitenden Institutionen haben aktuell ein Glaubwürdigkeitsproblem. Je größer aber die Distanz zwischen staatlichen Organen und den Bürgern wird, umso mehr entsteht ein Machtvakuum, das von vernetzten Städten besetzt werden kann. Dadurch wächst wiederum die Macht und der Einfluss von lokal verankerten Politikern. Benjamin Barber, Politikwissenschaftler aus New York und ehemaliger Berater von US-Präsident Bill Clinton, beschreibt das Phänomen in seinem Buch „If Mayors ruled the World“. Seine These lautet: Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert der Nationalstaaten. Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Städte. Barber stellt in seinem Buch die Funktionalität des Nationalstaates als politische Einheit in Frage angesichts der Herausforderungen und Probleme einer globalisierten Welt: Da sich Staaten durch ihre Grenzen definieren, seien sie nicht in der Lage, die globalen Probleme zu lösen, die keine Grenzen kennen. Die Themen, auf die er dabei Bezug nimmt, sind beispielsweise die Steuerung von Flüchtlingsströmen, die Erderwärmung und die Verbreitung nuklearer Waffen. Die Herausforderungen, vor denen Kommunen stehen, sind leichter und pragmatischer auf lokaler Ebene zu lösen. Zudem vertraut die Bevölkerung ihren Bürgermeistern oft mehr als den nationalen Regierungen: Alleine die suggerierte Nähe durch den lokalen Kontext und die Möglichkeit, Probleme zumindest im Kleinen lösen zu können, verschafft Kommunalpolitikern einen Vertrauensvorschuss. Zumindest in der Wahrnehmung der Städter ist ihr Bürgermeister ein nahbarer Mitbürger und kein entrückter Vertreter einer politischen Klasse.

Let Mayors rule the World
Die Potenziale von mehr städtischer Autonomie liegen offensichtlich im unmittelbaren und oft pragmatischen Handlungsdruck. Bei der Rückführung von Zuständigkeiten auf die kleinste sinnvolle administrative Entität darf aber nicht vergessen werden, dass Städte auch mit mehr Mitspracherecht immer noch finanziell und rechtlich an staatliche Strukturen gebunden sind. Kritiker des Global-Mayor-Prinzips weisen außerdem darauf hin, dass Bürgermeister gerade deshalb erfolgreich seien, weil sie nicht in globalen Kontexten denken und agieren müssten, sondern kleine lokale Erfolge einfahren könnten.

Zudem zeigen Studien, dass entgegen der These von Volksnähe und direkter Bürgerbeteiligung in städtischen Strukturen die Wahlbeteiligung bei Kommunalwahlen oft deutlich niedriger ist als bei nationalen Wahlen. Die aktuelle Krise der Demokratie, in der sich die Bürger nicht mehr adäquat von ihren gewählten Staatschefs repräsentiert sehen, würde nicht zwangsläufig gelöst werden, indem lokale Vertreter globale Verantwortlichkeiten übernehmen. Zudem leben zwar bereits die Hälfte der Menschen weltweit in Städten, wie würden aber die restlichen 50 Prozent repräsentiert werden?

„Bürgermeister sind erfolgreich, weil sie sich auf kleinere, direktere und lokalere Verantwortlichkeiten konzentrieren können. Das bedeutet, dass ihre Bemühungen schnellere und sichtbarere Ergebnisse liefern. Wenn wir ihren Fokus dadurch verändern würden, indem wir ihnen globale Verantwortlichkeiten zuwiesen, würde ihr Erfolg (wahrscheinlich) schnell zunichte gemacht werden. Ja, Bürgermeister sind beliebt, aber wie lange würden sie weiterhin populär sein, sobald sie die Verantwortung übernehmen würden, die die Staatschefs tragen?“
Reinier de Graaf

Der Städtebund: Die neuen Zentren der Macht

Benjamin Barber argumentiert, dass der Nationalstaat durch globalisierungsbedingte Veränderungen nicht mehr in der Lage sei, seine einstmals große demokratische Integrationskraft zu entfalten. An seine Stelle müssten heute Städte und weltweite Stadtnetzwerke treten, die lokales Engagement und lokale Partizipation nutzen, um globale Probleme effektiver zu lösen. „Städte reagieren schneller, konkreter und bürgernäher auf die großen Krisen, ob auf die Gefahren des Klimawandels, die Migration oder die Bedrohung der Sicherheit“, so Barber (Kleilein/Meyer 2016).

Die Macht der Metropolen und der Städtebündnisse steckt vor allem im Vernetzungsgedanken: Sie sehen sich ähnlichen bzw. teilweise identischen Problemen ausgesetzt. In Bezug auf Wohnungsnot, soziale Spannungen, Flüchtlingspolitik und Feinstaubprobleme sind sich Paris, Berlin und New York ähnlicher als die einzelnen Städte in ihren umgebenden Departements, Bundesländern und Bundesstaaten.

Global Parliament of Mayors: Die Vereinigten Städte der Welt
Benjamin Barber selbst war maßgeblich an der Gründung des „Global Parliament of Mayors“ (GPM) beteiligt. 2016 trafen sich dafür Bürgermeister von über 60 Städten und Stadtnetzwerken erstmals in Den Haag. Unter den bei der Gründung des GPM vertretenen Städten befand sich eine kleine Gruppe, deren Bürgermeister zum ersten Lenkungskomitee der Organisation wurden, darunter Amman, Buenos Aires, Mannheim, Palermo, Kapstadt, Delhi und Oklahoma City. Seit Herbst 2017 leitet die Bürgermeisterin von Kapstadt, Patricia de Lille, das Exekutivkomitee für drei Jahre, Peter Kurz, Oberbürgermeister von Mannheim, ist stellvertretender Vorsitzender. Darüber hinaus nehmen mehrere Dutzend städtische Netzwerke und NGOs aktiv teil, unter anderem das Netzwerk Eurocities, die US-Bürgermeisterkonferenz (United States Conference of Mayors), die OECD, die C40 Climate Cities und das Europäische Forum für urbane Sicherheit. Die erste Konferenz setzte Schwerpunkte bei den Themen Erderwärmung, Migration sowie allgemeine Herausforderungen städtischer Regierungen. Diese Debatte führte zur Gründung der GPM als formales Gremium von und für Bürgermeister aller Kontinente, deren Nähe und Pragmatismus es ihnen erlauben, im Namen der Städte und Metropolregionen zu sprechen. Das GPM beruht auf dem Recht der Städte zur Selbstverwaltung und -bestimmung. Die Bürgermeister wollen Partner für nationale Regierungen und internationale Institutionen sein und deren globale Agenden vorantreiben – sie wollen hierbei nicht nur an den Debatten teilhaben, sondern als Agenda-Setter einbezogen werden.

Das Konzept großflächiger Netzwerke von Städten, die sich zu einer globalen Macht entwickeln, ist dabei nichts Neues. Das Global Parliament of Mayors soll allerdings einen deutlich größeren politischen Hebel bedienen, der die Stadtvertreter an die Verhandlungstische internationaler Konferenzen holt.

„Städte sind viel motivierter, denn sie sind die ersten Opfer des Klimawandels. Rund 90 Prozent der Städte liegen entweder am Meer oder an einem See oder einem Fluss. Denken Sie an New Orleans, New York, Mumbai, Den Haag … Nationale Politiker scheinen die Klimagefahren immer wieder beiseitezuschieben, aber für Bürgermeister liegen sie direkt vor der Haustür. Zugleich können sie unmittelbar handeln. Wenn sie die Zahl der Autos verringern, effizienter bauen und die Energie erneuerbar machen, dann ändert sich ganz konkret etwas.“
Benjamin Barber, Mitgründer des Global Parliament of Mayors (2016)

Globale Probleme – lokale Lösungen
Für Politologen und Stadtforscher stellt sich die Frage, ob kleine urbane Sozialeinheiten besser geeignet sind, um große, globale Fragen zu lösen. Zivilisation und Demokratie sind ursprünglich im städtischen Kontext entstanden, nämlich in der selbstbestimmten und unabhängigen Polis des antiken Griechenlands. Eine formale demokratische Weltregierung, ausgestattet mit einer ähnlichen Souveränität wie einst der territoriale Nationalstaat, steht aktuell vermehrt der informellen Vernetzung lokaler Akteure gegenüber. Ein weiteres Argument für das demokratische Zukunftspotenzial von Städten: Menschen beteiligen sich eher, weil sie direkt betroffen sind. Zudem sind die gemeinsam getroffenen Entscheidungen direkt sicht- und spürbar für die Stadtbewohner.

Bereits jetzt fungieren Städte innerhalb ihrer Handlungsspielräume außerdem als Treiber von Innovation. So entscheiden beispielsweise die kommunalen Regierungen, mit welchen Motoren der städtische ÖPNV betrieben wird. Die Bürgermeister von London, Paris, Los Angeles, Kopenhagen, Barcelona, Vancouver, Mexiko-Stadt, Mailand, Seattle, Quito, Kapstadt und Auckland haben erklärt, ab 2025 nur noch Elektrobusse kaufen zu wollen, sodass bis 2030 ein Großteil des Stadtgebiets emissionsfrei wird. Sie sind Teil der Umweltinitiative C40 Cities (einem Bündnis der 40 größten Metropolen) und vertreten insgesamt rund 80 Millionen Menschen – dies entspricht nahezu der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Das Problem der Luftverschmutzung und Feinstaubbelastung gehen die Bürgermeister dieser zwölf Pionierstädte so pragmatisch und direkt an.

Die neue Macht der Städte zeigt sich auch in den USA, wo 300 Städte und Gemeinden sich unter dem Namen Sanctuary City („Städte der Zuflucht“) zusammengeschlossen haben und sich gegen die umstrittene Abschiebepolitik der US-Regierung wehren (Lee/Omri/Preston 2017).

„In einer Zeit, in der sich die Vereinigten Staaten zwischen parteipolitischen und ideologischen Linien tief polarisiert haben, stehen Bürgermeister an der Spitze von Führung und politischer Innovation. Michael Bloomberg, der selbstgemachte Milliardär und Bürgermeister von New York, ist ein gutes Beispiel. Seine Führung in den Bereichen Nachhaltigkeit, Transport und Wohnen kommt zu einer Zeit, in der unsere Bundesregierung abwesend ist. Moderne Bürgermeister verstehen sich als Manager großer Konzerne. Sie müssen eine Vision bieten. Sie sind sehr pragmatisch. Wie der Bürgermeister von Chicago immer sagt: Es gibt keine republikanische oder demokratische Art, den Müll zu sammeln.“
Bruce Katz, Brookings Institution (Schmitz/Steingart 2017)

3. Wirtschaftsmacht Stadt: Hebelwirkungen für mehr städtische Autonomie

Sind Städte die besseren Problemlöser? Zum einen verfügen Metropolen über die notwendigen infrastrukturellen und intellektuellen Ressourcen, denn sie ziehen Innovation, Industrien und somit Arbeitskräfte und Wohlstand an. Laut Richard Florida, Ökonom und Vordenker in Sachen Stadtforschung, landet so der Großteil des Wohlstandes eines Landes nicht nur in den Kassen einiger führender Konzerne, sondern konzentriert sich auch in den Metropolen der Welt (Lobenstein/Buchter/Heuser 2017). Diese Dichte an Kapital und Innovation zieht wiederum ambitionierte Talente an – junge Wissenschaftler, begabte Start-up-Unternehmer, aber auch Künstler und Kreative. Die individualisierte Stadtkultur ist notwendig, um die Neustädter zu lokalen Patrioten zu machen. Nicht für den Staat, sondern für die Stadt selbst, die den Staat in immer mehr Funktionen ersetzt.

Infrastrukturelle Voraussetzungen für Innovation
Den Anspruch auf mehr Handlungsgewalt könnten Städte insbesondere dadurch formulieren, dass die meisten Nationalstaaten in ökonomischer Abhängigkeit von den urbanen Zentren stehen. Eine Studie von McKinsey beschreibt zum Beispiel, dass in den USA knapp 300 Städte mit jeweils mehr als 150.000 Einwohnern 85 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften. In China kommen die Städte auf 78 Prozent, in Westeuropa auf 65 Prozent.

In diesem Jahrhundert werden die Städte – nicht der Staat – zum Bindeglied zwischen wirtschaftlicher und politischer Macht, denn sie erzeugen bereits heute ihren eigenen Reichtum und prägen dadurch die nationale Politik. Der Aufstieg der globalen Drehkreuze in Asien ist ein viel wichtigerer Faktor bei der Neuausrichtung der globalen Macht zwischen West und Ost als das Wachstum der asiatischen Militärmacht, das sich viel langsamer vollzieht. In Bezug auf die wirtschaftliche Macht gilt es zu bedenken, dass nur 600 Städte rund 60 Prozent des globalen BIP erwirtschaften (Dobby et al. 2011). Um weiteres Wachstum zu ermöglichen, wird in den nächsten zwei Jahrzehnten weltweit in die städtische Infrastruktur investiert werden. In Bezug auf die politische und wirtschaftliche Macht, die damit einhergeht, sind Städte in den Entscheidungsprozessen aktuell noch unterrepräsentiert.

Mega-Cities und Mega-Economies
Drei Arten von Städten treiben die neuen urbanen Wirtschaftszentren voran: globale Drehkreuze, Megastädte und Gateway-Städte. Während diese Kategorien fließend und manchmal überlappend sind, hat jede Stadt in einer von Städten dominierten Welt einzigartige Attribute und Rollen. Globale Drehkreuze sind auch globale Hauptstädte, die wichtigsten Knotenpunkte der Weltwirtschaft, in die und aus denen ein Großteil der Talente und des Reichtums der Welt fließt. Sie sind weltweit bekannt: New York, London, Hongkong und Tokio zum Beispiel. Darüber hinaus gibt es Megastädte, bevölkerungsreiche Magnete nicht nur in ihren Ländern, sondern manchmal auch über ganze Regionen hinweg: São Paulo, Lagos, Kairo, Istanbul, Mumbai oder Jakarta. Megastädte sind so groß, dass viele, wenn nicht sogar die meisten ihrer Bewohner in ihrer Umgebung geboren werden und dort auch sterben. Gateway Cities stellen eine entscheidende neue Form in der Stadtentwicklung in einer schnell wachsenden Welt dar. Sie sind regionale Cluster, die den Zugang zu Grenzmärkten erleichtern. Solche Städte sind Kapstadt, Dubai, Tripolis, Almaty und Kuala Lumpur.

Megastädte sind bereits heute zu globalen Mächten geworden, weil sie sich administrativ wie Länder organisieren – 20 Millionen Einwohner sind dabei kein Superlativ mehr. Man wird sich sogar an Zahlen wie die fast 100 Millionen Menschen in Mumbai gewöhnen. In ganz Indien werden schätzungsweise mehr als 275 Millionen Menschen in den kommenden zwei Jahrzehnten in Städte ziehen – dies entspricht beinahe der gesamten Bevölkerung der USA. Kairos Stadtkern ist mittlerweile so weit gewachsen, dass die Sphinx und die Pyramiden von Häusern umgeben und nicht mehr Teil einer exotischen Wüste sind. In diesem Zusammenhang wird der Begriff des „Brutto-Stadt-Produkts“ relevant, da er die Städte als eigenständige Märkte mit immensem Wachstumspotenzial in Zahlen fasst.

Städte sind, mit einigen Ausnahmen wie Berlin, bereits heute die großen, globalen Wirtschaftszentren. Auf ca. 30 Billionen Euro schätzen Experten das wirtschaftliche Potenzial für die kommenden Jahre, das durch die weltweite Urbanisierung freigesetzt wird. Dabei geht es neben Investitionen in klassische Infrastrukturen vor allem um Smart-City-Themen. Allein im Bundesland Baden-Württemberg liegt hier ein Potenzial von drei Milliarden Euro für die größten Städte (Bullinger 2015), Tendenz steigend. Digitale Dienstleistungen sind dabei der vielversprechende Zukunftsmarkt mit einem immensen Umsatzpotenzial. Laut einer Smart-City-Studie der Unternehmensberatung Arthur D. Little und des Internet-Branchenverbands eco wird sich der Umsatz dieses Sektors von derzeit geschätzt 20 auf circa 44 Milliarden Euro bis zum Jahr 2022 mehr als verdoppeln – das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von mehr als 15 Prozent. Die Kommunen müssen dabei die Umstellung auf eine IT-Dienstleistungsgesellschaft nicht nur ermöglichen, sondern können aktiv daran teilhaben. Konkret bedeutet dies: Digitalisierung und Vernetzung des Behördenverkehrs, des Gesundheitswesens, der Energieversorgung, der Verkehrslenkung und des Tourismus sowie die Gebäudeautomatisierung.

Natürlich wird manche Regulierung auf nationaler oder gar supranationaler Ebene entschieden werden, doch letztlich sind es die Verwaltungen der Städte, die die Umsetzung dieser Gesetze gestalten können. Sie entscheiden bereits heute, welche Fahrzeuge in ihre Zentren fahren dürfen oder welche Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt werden. Die Städte geben schon jetzt das Tempo und die Intensität ihres Wandels vor, und damit den daraus entstehenden Markt. In den meisten Fällen konzentrieren sich die einzelnen Metropolen auf ein oder zwei Wirtschaftsfaktoren. New York, London und Frankfurt sind zum Beispiel schon heute die Zentren der Finanzwelt. Dieses Branding ist ein wichtiger Bestandteil in der Erschaffung einer starken Identität, die den Städten dabei hilft, Unternehmen und Talente anzuziehen. Klare Alleinstellungsmerkmale und dazugehörige legislative Anpassungen helfen dabei, die Attraktivität eines Standortes zu erhöhen.

4. Kreative Stadtgestaltung: Mut zur dynamischen Veränderung

Städte haben ihre Magnetwirkung über die Jahrhunderte ausgebaut: Während im Jahr 1800 lediglich drei Prozent der Menschen der Stadtbevölkerung zugerechnet werden konnten, lebte 2007 die Hälfte der Menschheit in Städten. Wenn Sesshaftigkeit und effizientere Landwirtschaft der Anfang der Stadt waren, so ist die Vielschichtigkeit und Gleichzeitigkeit urbaner Welten der Beginn einer neuen Stadtstruktur. Die Vereinten Nationen schätzen, dass im Jahr 2100 über 11 Milliarden Menschen auf unserem Planeten leben werden, 75 Prozent davon in Städten – dies entspricht etwa 7 Milliarden Stadtbürgern.

Es liegt in der Verantwortung der Stadtverwaltungen, die aktuell fortschreitende Urbanisierung nicht nur zu ermöglichen, sondern einen Weg zu finden, die Menschenströme in produktive, aktive und erfolgreiche Systeme zu lenken. Dabei sollte der Fokus nicht nur auf der infrastrukturellen Intelligenz der Ballungsräume liegen, sondern auch auf den kreativen Potenzialen und der sozialen Intelligenz. Doch wie lassen sich innovative, offene oder partizipative Systeme administrativ implementieren?

Wem gehört die Stadt?
Wie werden wir in Zukunft leben? Auf engstem Raum in ein paar hundert Megastädten wie Tokio, Mexiko-Stadt und Lagos? Oder verteilt auf 70.000 Städte mittlerer Größe mit je 100.000 Einwohnern? Schwellenländer sowie Länder der Dritten Welt, die sowohl das größte Bevölkerungswachstum als auch die dramatischsten Urbanisierungsprozesse aufgrund ökonomischer Zwänge verzeichnen, erfahren einen drastischen Zuwachs informeller Siedlungen wie Slums oder Flüchtlingsunterkünfte an der Peripherie. Darüber hinaus wird es eine Mischung aus urbanen Strukturen aller Größenordnungen, Mischformen von gewachsenen Kernen und geplanten Erweiterungen geben, insbesondere im Kontext europäischer und nordamerikanischer Städte.
In allen Fällen repräsentiert die Stadt einen Mix unterschiedlicher sozialer und kultureller Gruppierungen. Ob diese in einer urbanen Megastruktur, einer separierten oder in die Höhe verdichteten Stadt beheimatet sein werden, ist dabei nicht die wichtigste Frage, sondern die ihrer administrativen Organisation: Wem gehört die Stadt von morgen? Wer schreibt ihre Regeln und wer setzt sie um?

Die neue Art der Stadtplanung ist dabei nicht nur Aufgabe des öffentlichen Sektors. Partner für eine Stadtentwicklungspolitik der Zukunft ist neben Vertretern der freien Wirtschaft auch die Zivilgesellschaft: Partizipative Prozesse und Teilhabe an der konkreten gebauten Umwelt können, insofern sie organisiert und transparent stattfinden, die Demokratie vor Ort stärken. Die einzelnen Städte gehen bereits heute neue Partnerschaften mit ihren Nachbarstädten ein. In der Stadtplanung ist daher auch Mut gefragt: Mut zur Ausnahme. Die kommunalen Planungsinstrumente wie auch die informellen Instrumente und Verfahren lassen gewisse Spielräume zu, die es zu nutzen gilt. Hierfür eignen sich informelle Verfahren, die eine aktive Gestaltung ermöglichen und partizipatorische Prozesse fördern, handlungs- und umsetzungsorientiert sind sowie durch Vereinbarungen auch rechtlich bindend gemacht werden können. Die Aufgaben der informellen Verfahren und Instrumente bestehen darin, Konflikte aufzudecken, mögliche Lösungen zu entwickeln, unausgereifte Lösungen zu verwerfen, Kompromisse auszuhandeln und Akzeptanz herzustellen.
Bereits heute ist zu beobachten, dass Stadt und Land, reiche und arme Regionen gleichermaßen eine starke Identifikation mit dem Geburts- oder Wohnort verbindet. Dabei wird die nationale Identität immer mehr von der regionalen Identität ersetzt. Und wer sich mit seinem Lebensraum identifiziert, partizipiert auch an seiner Entwicklung. Partizipative Projekte können beispielsweise Freiflächen zur offenen Gestaltung und Bewirtschaftung sein, wie das Gartenprojekt Allmende-Kontor auf dem Tempelhofer Feld in Berlin (allmende-kontor.de). Dort können die Bewohner der umliegenden Kieze sowie andere interessierte Städter seit 2011 in Hochbeeten Obst und Gemüse anbauen. Das Projekt vernetzt sich bewusst mit anderen Gemeinschaftsgärten, um die gesellschaftliche Erschließung öffentlicher Flächen durch Bürger zu fördern.

Aber auch die Verwaltungen von Städten in Ländern der Dritten Welt verfolgen seit einigen Jahren vermehrt die Strategie, Bewohner informeller Siedlungen miteinzubeziehen. So zum Beispiel im Slum-Upgrading-Programm von Sao Paulo, wo rund ein Drittel der 11 Millionen Städter in sogenannten Favelas leben. Dabei werden institutionalisierte Aufwertungspläne von einem gemeinsamen Aufsichtsrat aus lokaler Bevölkerung und Regierungsvertretern überwacht. Dabei geht es um Kooperation und Akzeptanz, aber auch darum, Bewusstsein für die gebaute Umwelt zu schaffen.

Creative City Making
Ein zentrales Element in der Außenwahrnehmung, aber auch hinsichtlich des Innovationspotenzials von Städten sind kreative Industrien. Urbane Kreativität lässt sich aber nur schaffen und erhalten, indem Veränderung als ein dynamischer Prozess verstanden wird – und eben nicht im Sinne einer Wandlung mit festgelegtem Ziel. Diese Dynamiken zu unterstützen und zu steuern ist sowohl in den schnell wachsenden Megastädten Afrikas und Asiens essenziell als auch in den kleinen und mittelgroßen Städten und Metropolen des globalisierten Nordens. Neben der Schaffung designierter Innovationsbereiche, wie Start-up Hubs oder Mittelstandsförderung, muss urbane Kreativität auch in der Verwaltung angewendet werden. Dies ist nur dann möglich, wenn von Seiten der öffentlichen Hand starre Vergaberichtlinien aufgeweicht werden, um kreative und unternehmerische Spielräume zuzulassen. Wie aber entsteht ein Kontrollmechanismus, der zunächst auch größtmögliche Variabilität und Heterogenität zum Ziel hat, der zu Eigeninitiative ermutigt, ohne Egoismus zu befördern, und der Verschiedenartigkeit und Experimente erlaubt, um am Ende aus der Vielgestaltigkeit Resilienz und die Kraft zur stetigen Erneuerung zu erzeugen?

Ausblick: The New Global Governance
Starre nationalstaatliche Konzepte können die Komplexität der globalen Interaktionen nicht mehr bewältigen. In einer Welt, die zunehmend unregierbar erscheint, sind Städte – und nicht Staaten – die Regierungsinseln, auf denen zukünftig neue Kompetenzen aufgebaut werden. Städte sind aufgrund ihrer wirtschaftlichen Größe, ihrer Bevölkerungsdichte, ihrer politischen Dominanz und ihrer Innovationskraft die wichtigen Impulsgeber und Katalysatoren für das Zusammenleben der Menschen in Zukunft.

Der Fokus auf kleinere, urbane Sozialeinheiten geht einher mit einer allgemeinen Regionalisierung als Gegenbewegung zum Megatrend der Globalisierung. Trotz der wirtschaftlichen Schattenseiten von globalisierten Produktionsketten und Warenströmen sowie der Ängste vor dem Verlust nationaler Identität, die in einigen Bevölkerungsgruppen in westlichen Staaten durch eine populistische Politik noch befeuert werden, stehen wir als Menschheit besser da als je zuvor. Einerseits ermöglichen Städte ein Höchstmaß an Heterogenität in der Lebensweise der Menschen, andererseits ähneln sich die globalen Metropolen untereinander teilweise mehr, als die eine Großstadt mit einer anderen Stadt im selben Land gemeinsam hat.

Hier entstehen Synthesen aufgrund der Wechselwirkungen zwischen Lokalem und Globalem. Städte werden dabei zu Orten des Wandels, in denen globale Probleme lokal gelöst werden. Die neuen selbstbewussten Städte gewinnen nicht nur politisch an Macht, sondern bilden auch eigene Wirtschaftsräume aus. Einige Bürgermeister verwalten dabei Wirtschaftszweige, deren Bedeutung für den jeweiligen Nationalstaat immens ist.

Den Bürgermeistern dieser Städte, die lokal und pragmatisch agieren können, kommt im internationalen Kontext eine exponierte Rolle zu, die auch künftig an Einfluss gewinnen wird. Indem sich die führenden kommunalen Köpfe untereinander verstärkt global vernetzen, sind sie in der Lage, Wissen auszutauschen und voneinander zu lernen. Metropolen können sich bei der Lösung von Problemen wie Wohnungsnot, Flüchtlingsströme, Klimaschutz und infrastruktureller Wandel konkret und wirksam unterstützen – aus diesem Grund wird die Vernetzung weiter vorangetrieben und wird sich auch auf kleinere Städte und Gemeinden auswirken. Denn auch ländliche Regionen können sich zu speziellen Themen verständigen und gemeinsam Strategien zur Aufwertung der Provinz entwickeln.

Partizipative Prozesse gewinnen an Bedeutung und müssen administrativ begleitet werden, sodass dort Potenzial nutzbar gemacht wird, statt nur Ressourcen zu verschwenden. Der Verwaltungsapparat muss sich zudem so aufstellen, dass er kreative Innovation aktiv fördern kann, auch um gegenüber anderen Städten konkurrenzfähig zu bleiben.

Städtebündnisse bekommen eine neue Präsenz und Aufmerksamkeit auf der globalen Bühne. Sie werden finanziell und strukturell weiter von nationalen Ebenen abhängig sein, aber auch durch sie beschützt. Dennoch werden sie einen Platz an den Verhandlungstischen haben und die Verstädterung mit ihren Chancen und Gefahren aktiver als bisher mitgestalten können.

Auszug aus Studio „Futopolis“, mit freundlicher Genehmigung des Zukunftsinstituts.

20 Aug 2099
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